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Crispin Hammer

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Einfach war es nie, aber schön war es trotzdem. Immer schon war ich ein Geist, oder eine Schildkröte, 
eigentlich eine Geisterschildkröte. Ha, ha, genau, langsam, ganz langsam, und schön unsichtbar vorwärts. Ja und abwarten, Kopf einziehen. Sollen die nur auf den Panzer einschlagen, ich hab es gemütlich in mir drin, und Musik ist da auch, laute und leise, die ganze Zeit, eigentlich viel zu viel, um alles auf der alten Quetsche zu spielen. Lernen musste ich Schuhmacher, der Mutter ihr Grossvater,
war auch einer und da sollte ich das auch werden, und bin es auch geblieben. Hab mir gedacht, wenn die Leute tanzen, gehen auch die Schuhe kaputt dann kann ich zweimal verdienen. Erst spielen bis die Sohlen qualmen und dann flicken, ha, ha, na ja, musste mir die Scheisse ja irgendwie schön reden. Die Lehre war hart, was hat mein Meister Schnaps gesoffen, und die Hitze und Kälte, Staub überall, hab fast den Daumen verloren, ausgerutscht beim Schleifen, bis zum Knochen runter geschlifen, musste sogar ins Spital. Nägel gerade biegen, Lederlager räumen, grosse schwere Rinderspälte stapeln und stanzen. Wochenlang im schimmligen Keller, verdammt, ich war ein schmächtiges Kerlchen, aber gelernt hab ich das Handwerk und auch das Saufen, manchmal wusste ich nicht mehr wie ich nach Hause gekommen bin. Heute sauf ich eigentlich nichts mehr, nur manchmal, dann aber richtig, ha, ha. Das Bandoneon hab ich dann mit meinem Lehrlingslohn erstanden, vier Löhne und geputzt hab ich auch noch dafür, hab es gesehen in einem Haus in dem ich geputzt hab, das gehörte so einem alten Kerl, der war Schiffer auf dem Rhein, hatte nur noch eine Hand, abgebissen vom Rottweiler eines Metzgers, hat er behauptet. Wie der sich so ein Haus leisten konnte ist mir heute noch schleierhaft. Also der hatte dieses Bandoneon, das wollte ich und er hat es mir dann auch schweren Herzens verkauft, mein Bandoneon, meine geliebte Quetsche, das war mein Traum, hab schon vorher Harmonika gespielt, zuhause stand so ein verstimmtes Ding rum, von meinem Vater, das einzige das er da gelassen hat, aber das ist eine andere Geschichte, tut nichts zur Sache, gemacht ist es schnell und dann, Schwamm drüber, ha, ha, aber ein Kindlein putzt man nicht so schnell weg. Meine liebe Mutter war aber stark, so stark und mutig, die hat mich behalten und jetzt behalt ich sie im Herzen. Die Lehre war fertig und ich auch, ich musste weg. Schuhmachergeselle auf dem Zettel und Musik im Kopf. Mutter hat mir dann noch Geld gegeben, ich hab mein Werkzeug, das Bandoneon und Kleider in den Koffer, ha, Koffer, Kartonschachtel eher, gepackt und bin aufs Schiff nach Amerika, New Orleans, war am günstigsten weiss auch nicht wieso. Hab ich gekotzt, Schiff, hab Gott gedankt als ich angekommen bin, Horror, schrecklich, Gesindel, na ja, der Zoll, die wollten mich erst nicht reinlassen, haben gefragt und getan, Englisch konnt ich eh nicht, da haben sie einen geholt der Deutsch konnte, der hat mir dann übersetzt. Als dann mein Beruf zur Sprache kam, hat der Übersetzer gejubelt, er habe einen Schwager der einen Gesellen suche und schon hatte ich Arbeit und die Beamten einen Grund mich durchzulassen. New Orleans, da hab ich den Jazz kennen gelernt und meine Nase gebrochen, ha, ha, aber jetzt mag ich nicht mehr.
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Episode aus Crispin Hammers Leben zu seinem Werk "Schuster" in Ermangelung einer "normalen" Musiker -Biografie. Auf unser Bitten um Daten und Namen seines Schaffens wollte er einfach nur erzählen und wir haben das aufgeschrieben. Und werden das Erzählte hier Periodisch veröffentlichen. Sollten Sie mit Crispin Hammer Kontakt aufnehmen wollen, wenden Sie sich bitte an uns. Wir werden das Möglichste für Sie tun.